Ratgeber · Unfall
Wertminderung nach Unfall: Wann steht dir ein Minderwert zu?
- Herausgegeben von: Auto Betrieb Ömer · KFZ-Meisterwerkstatt
- Aktualisiert am
- 3 Minuten Lesezeit
Was ist eine Wertminderung nach einem Unfall?
Die Wertminderung ist der Betrag, um den dein Auto trotz fachgerechter Reparatur weniger wert ist als vorher. Sie steht dir zusätzlich zu den Reparaturkosten zu.
Der Grund liegt im Markt: Käufer zahlen für ein Unfallfahrzeug weniger, weil sie versteckte Folgeschäden fürchten. Beim Verkauf musst du einen erheblichen Unfallschaden offenlegen. Der Makel bleibt also, auch wenn man nichts mehr sieht.
Merkantiler oder technischer Minderwert – was ist der Unterschied?
Der merkantile Minderwert ist der Preisabschlag am Markt trotz einwandfreier Reparatur. Der technische Minderwert betrifft Schäden, die sich nicht vollständig beheben lassen.
| Merkantiler Minderwert | Technischer Minderwert | |
|---|---|---|
| Ursache | Misstrauen der Käufer gegenüber Unfallautos | bleibender technischer oder optischer Mangel |
| Auto nach Reparatur | technisch einwandfrei | nicht ganz wie vorher |
| Beispiel | Längsträger gerichtet, Seitenwand ersetzt | Farbabweichung, nicht ganz passende Spaltmaße |
| Häufigkeit | häufig | selten, wenn fachgerecht repariert wurde |
Wenn in Gutachten und Schadenregulierung von Wertminderung die Rede ist, ist fast immer der merkantile Minderwert gemeint.
Wer ermittelt die Wertminderung?
Ein unabhängiger Kfz-Sachverständiger im Schadensgutachten. Er berücksichtigt Fahrzeugalter, Laufleistung, Zustand, Marktgängigkeit, Zahl der Vorbesitzer und vor allem Art und Umfang des Schadens.
Für die Berechnung gibt es verschiedene anerkannte Methoden. Das Ergebnis bleibt eine Schätzung, über die sich Versicherung und Geschädigter streiten können. Ein Kostenvoranschlag der Werkstatt enthält keine Wertminderung – ein Grund, warum sich nach einem größeren Schaden ein Gutachten lohnt. Mehr dazu in Kostenvoranschlag oder Gutachten.
Leg dem Sachverständigen Serviceheft, Rechnungen und Angaben zu früheren Schäden vor. Ein gepflegtes Auto mit lückenloser Historie verliert durch einen Unfall mehr Wert als ein vernachlässigtes. Verschweig keine Vorschäden: Kommt ein nicht angegebener Vorschaden heraus, steht schnell der ganze Anspruch infrage.
Wer zahlt die Wertminderung?
Bei einem unverschuldeten Unfall die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers. Die Wertminderung ist Teil deines Schadens.
Bei Teilschuld bekommst du sie anteilig nach der Haftungsquote. Hast du den Unfall selbst verursacht, gibt es keinen Anspruch gegen einen anderen. Die Kaskoversicherung zahlt eine Wertminderung in der Regel nicht, das schließen die üblichen Bedingungen aus.
Die Wertminderung bekommst du auch, wenn du nicht reparieren lässt und dir den Schaden auszahlen lässt. Wie das funktioniert, steht in fiktive Abrechnung.
Bei welchen Autos gibt es eine Wertminderung?
Als alte Faustregel galt: bis fünf Jahre oder bis 100.000 km. Diese Grenze ist überholt, entscheidend ist der Einzelfall.
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass auch Fahrzeuge mit einer Laufleistung über 100.000 km einen merkantilen Minderwert haben können (VI ZR 357/03). Je älter und abgenutzter ein Auto ist, desto kleiner wird der Betrag – bei sehr alten Fahrzeugen mit geringem Marktwert kann er ganz entfallen.
Keine Wertminderung gibt es in der Regel bei reinen Bagatellschäden, etwa wenn nur ein angeschraubtes Teil wie ein Außenspiegel getauscht oder ein Kratzer lackiert wird. Je tiefer der Eingriff in die tragende Struktur, desto höher der Minderwert.
Was tun, wenn die Versicherung die Wertminderung kürzt?
Das kommt vor. Versicherer rechnen die Wertminderung oft mit einer eigenen Methode nach und kommen auf einen niedrigeren Betrag – oder lehnen sie wegen Alter und Laufleistung ganz ab.
Bitte in diesem Fall deinen Sachverständigen um eine Stellungnahme. Er kann begründen, warum sein Wert zu deinem Auto passt. Hilft das nicht, ist der nächste Schritt ein Anwalt für Verkehrsrecht. Warst du nicht schuld, gehören die Kosten für die außergerichtliche Schadenregulierung durch einen Anwalt in der Regel zu deinem Schaden, den die gegnerische Haftpflicht trägt.
Verkaufst du das Auto später, zeigt sich, wofür die Wertminderung da ist: Du musst den Unfallschaden offenlegen, und der Käufer zieht dafür vom Preis ab.
Wie wir dir dabei helfen
Wir sind eine Meisterwerkstatt, kein Sachverständigenbüro. Die Wertminderung für deinen Haftpflichtanspruch ermittelt ein unabhängiger Kfz-Sachverständiger. Unser Wertgutachten ist für andere Zwecke gedacht, etwa für Verkauf oder Oldtimer, und ersetzt das Schadensgutachten nicht.
Wir nehmen Kontakt zum Sachverständigen auf, reparieren Karosserie und Lack fachgerecht und rechnen direkt mit der Versicherung ab. Alles zur Unfallinstandsetzung.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Im Streitfall hilft dir ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.
Häufige Fragen dazu
Zahlt die Kaskoversicherung eine Wertminderung?
In der Regel nicht. Die üblichen Kaskobedingungen schließen den merkantilen Minderwert aus. Eine Wertminderung bekommst du deshalb vor allem dann, wenn ein anderer den Unfall verursacht hat und dessen Haftpflicht zahlt. Was dein eigener Vertrag sagt, steht in deinen Versicherungsbedingungen.
Gibt es eine Wertminderung auch bei älteren Autos?
Ja, das ist möglich. Früher galten fünf Jahre oder 100.000 km als Obergrenze. Der Bundesgerichtshof hat klargestellt, dass auch Fahrzeuge mit mehr Laufleistung einen merkantilen Minderwert haben können. Entscheidend sind Zustand, Marktgängigkeit und Art des Schadens, nicht eine starre Zahl.
Muss ich reparieren lassen, um die Wertminderung zu bekommen?
Nein. Der merkantile Minderwert entsteht durch den Unfall selbst und wird auch bei fiktiver Abrechnung ersetzt. Du brauchst aber ein Gutachten, das ihn ausweist. Ein Kostenvoranschlag der Werkstatt enthält keine Wertminderung.